Whisky- & Rumschiff Zürich 2019

Kein Sieg der Vernunft


Im 18. Jahr nach seinem „Stapellauf“ wurde das Whiskyschiff Zürich ins Trockendock Albisgütli verlegt. Dort lag es auch noch im Folgejahr 2018, dem Jubiläumsjahr: Das 20. Whiskyschiff war wieder nicht in den Hafen zurückgekehrt, und an der Züricher Schiffstation am Bürkliplatz ankerte an seiner Stelle nun ein neues, das Whisky- & Rumschiff. Dieses „Doppel“ einer schon traditionellen und beliebten Whiskymesse spaltete (potenzielle) Aussteller wie Besucher in zwei Lager. In beiden herrschte allerdings die eine Meinung vor: Ein Sieg der Vernunft war diese Trennung nicht. Um das zu verstehen, ist ein Rückblick angebracht.

 

Es gab schon über Jahrzehnte hinweg ein Weinschiff Zürich (Expovina), als Eric Braun, der bis dahin als Managing Director die Firma Food from Britain leitete, 1999 erstmalig sein Whiskyschiff – es hieß damals schlicht „Whiskyship“ – am Züricher Bürkliplatz zu einem Messeplatz für Whiskyhändler und deren Kunden machte. Schon bei diesem „Stapellauf“ war Christian H. Rosenberg mit an Bord, wenn auch nicht als Aussteller, sondern als Medienpartner, der bereits zwei Jahre zuvor die Fachmesse InterWhisky in Frankfurt am Main gegründet hatte. Tatsächlich waren es beim Schweizer Whiskyschiff-Debut am Bürkliplatz drei Schiffe, die insgesamt 1.000 Besucher anlockten. Die Zahl der beteiligten Schiffe stieg ebenso wie die der Besucher im Lauf der Jahre: Zur 10. Veranstaltung dieser Art im Jahr 2008 hatte die drei Jahre zuvor gegründete und von Eric Braun geleitete Whiskyship-Genossenschaft zehn Schiffe bereitgestellt und erwartete stolze 10.000 Besucher!

 

Im Folgejahr 2009 gab es gravierende Änderungen:Eric Braun gab bekannt, dass das Whiskyschiff nicht mehr von der Whiskyship-Genossenschaft organisiert werde. An deren Stelle übernahm Martin Monnier von Monnier Trading (Importeur und Spirituosenhandel) die Organisation, allerdings gemeinsam mit World of Whisky, dem Whiskyshop von Claudio Bernasconi, vertreten durch seinen Mitarbeiter Christian Lauper. Bei der Lektüre der Chronologie dieser „schwimmenden Whiskymesse“ drängt sich einem akribischen Leser in puncto Organisatoren freilich doch die Frage auf, was Martin Monnier in einem 2018 geführten Interview mit „drinks-and-more.ch“ dazu veranlasste, zu sagen, er sei „seit 20 Jahren Veranstalter des größten Whisky-Festivals der Schweiz, des Whiskyschiff Zürich“ …

 

Die Doppelspitze Monnier & World of Whisky behauptete sich vier Jahre erfolgreich am Ruder des Whiskyschiff Zürich. Dann aber löste sich 2014 das Team von Bernasconis World of Whisky auf, und der bisherige WoW-Mann Christian Lauper wechselte die Seiten: Er trat in diesem Jahr erstmals als Partner von Martin Monnier als Veranstalter auf dem Whiskyschiff auf. Das Duo blieb auf der Kommandobrücke, aber das Schiff kam 2017 auf das „Trockendock“, soll heißen: Die Whiskymesse fand in diesem Jahr erstmals nicht mehr auf dem Schiff am Bürkliplatz statt, sondern auf dem Albisgütli in Zürich-Wiedikon am Fuße des Uetlibergs. Als Gründe für diesen Umzug gab Martin Monnier an, erstens seien die Schiffsmieten innerhalb von fünf Jahren um das Dreifache angestiegen, zweitens hätten die Veranstalter von der Stadt keine Bewilligung für Vergrößerungen bekommen und drittens habe die Zürichsee-Schifffahrt keine zusätzlichen Ausstellungs-Schiffe im Angebot gehabt. Der Ortswechsel kam offenbar nicht bei allen Ausstellern und Besuchern gut an. Laut Veranstalter ging die Besucherzahl von 6.000 im Jahr 2016 (am Bürkliplatz auf dem Schiff) auf 4.500 in jenem Jahr 2017 (Albisgütli) zurück. Der bezeichnete das aber als „normale Entwicklung“, da die Zahlen im Messebusiness überall rückläufig seien.

 

Ob es angebracht war, eine Whiskymesse, die vom Wasser auf das Land verlegt wurde, weiterhin als Whiskyschiff zu bezeichnen, sei jetzt einmal dahingestellt. Es gab dazu jedenfalls kaum Kommentare, jedoch zu anderen Punkten reichlich, positive wie negative. Als positiv vermerkten zahlreiche Besucher, dass sie mehr Platz an den Ständen hatten und nicht im dichten Gedränge standen. Auch das größere Angebot an relativ preiswerten (NAS-) Whiskys wurde begrüßt, obwohl das einem geringeren Angebot an teureren, alten Whiskys (vornehmlich Single Malts) geschuldet war. Das hieß aber für die Aussteller in summa letztlich auch, dass sie ein Mehr an Absätzen verbuchen konnten, aber weniger Umsatz machten. Was hingegen von Ausstellern wie auch von Besuchern häufig kritisiert wurde, war der Standort: Ein Kommentator z. B. sah in der Lage des Albisgütli – „40 Minuten Tramfahrt vom Hauptbahnhof“ – einen Grund für den Besucher- und Umsatzrückgang. Wer allerdings mit einer Rückkehr aufs Wasser des Zürichsees rechnete, wurde im Folgejahr 2018 enttäuscht: Standort blieb das „Trockendock“ Albisgütli.

 

Aber auch auf dem See war wieder Whiskymesse auf einem Schiff. Dieses hieß nun Whisky- & Rumschiff und war von Christian H. Rosenberg, dem „Whiskyschiff“-Medienpartner seit dessen Stapellauf, „zu Wasser gelassen“ worden. Der dank seiner InterWhisky in puncto Messen erfahrene Verleger nahm damit eine Initiative einer Gruppe von Schweizer Ausstellern zur Wiederbelebung der Messe am Bürkliplatz in die Hände und  brachte mit einem ausgeklügelten Konzept frischen Wind in die Pläne: Die Ausstellung auf dem (mit Rum erweiterten) „echten“ Whiskyschiff bekam deutlich mehr Erlebnischarakter. Die Besucher konnten Livemusik genießen und aus einem breiteren Gastronomieangebot wählen. Vor allem aber gab es für Whisky- und Rumfreunde genügend Seminare und Masterclasses, um wirklich alle Interessengebiete abzudecken. Christian H. Rosenberg hatte sein Konzept fürs Schiff entwickelt und sich intensiv um die Realisierung bemüht, weil seiner Meinung nach „die Location am Bürkliplatz bestens eingeführt“ sei. Den Umzug seiner Vorgänger ins Albisgütli hielt er dagegen eher für einen Fehler.

 

Dass die Messen auf dem „neuen“ und dem „alten Schiff“ fast gleichzeitig stattfanden, sorgte bei vielen Ausstellern sowie potenziellen Besuchern für Verwirrung oder gar Verärgerung. In den Medien waren Überschriften zu lesen wie „Hochprozentiger Zweikampf um Zürich“ oder auch „Krieg der Züricher Whiskymessen?“ Christian Rosenberg konnte seinen Termin mit dem Hinweis begründen, dass vor diesem Datum die benötigten Schiffe am Bürkliplatz von der Expovina besetzt und danach seine internationalen Referenten auf den Messen in Frankfurt und Hamburg gebucht seien. Dass Aussteller wie Besucher zwischen zwei Veranstaltungen dieser Art wählen oder sich für nur eine davon entscheiden mussten, fand er „nicht optimal“ – ebenso wie Martin Monnier.

 

Martin Monnier und Christian Lauper veröffentlichten eine positive Bilanz ihres Whiskyschiffs 2018 im Albisgütli: „Über 3.531 Besucher konnten sich auch im Jubiläumsjahr 2018 ohne Gedränge in stickiger Luft ihrem Grund für den Whiskyschiff-Besuch widmen: dem Degustieren von edlem Single Malt und anderen Whisky-Sorten …“ Auch Christian H. Rosenberg war mit dem Start seines Whisky- & Rumschiffs mehr als zufrieden. Eine Wiedervereinigung mit dem trockengelegten Original im Jahr 2019 strebte er dennoch an. Folglich verhandelte er intensiv mit der Stadt Zürich sowie der Schifffahrtsgesellschaft und erreichte eine deutliche Erweiterung der Platzkapazitäten auf den Schiffen – analog zur Expovina (2018: 120 Aussteller & 100.000 Besucher). Zudem trat er mit der „Konkurrenz“ auf dem Albisgütli in Verhandlung, um eine gemeinsame Lösung realisiert zu bekommen. Das „Original“ hätte so zu seinen eigenen üblichen Konditionen Teil der Messe werden können. Und Rosenberg untermauerte seine Bemühungen zu der allseits ersehnten „Wiedervereinigung auf dem Bürkliplatz“ mit einem lukrativen finanziellen Ausgleich als weitere Offerte an seine Gegenüber.

 

Das Angebot wurde abgelehnt! So werden Aussteller wie Besucher auch in diesem Jahr wieder wählen müssen zwischen dem Whisky- & Rumschiff (28.11.-01.12.) und dem Whiskyschiff Zürich auf dem Albisgütli (28.11.-30.11.). Wundert es da noch jemanden, dass frustrierte Freunde feiner Whiskys klagen, die Ablehnung einer Wiedervereinigung sei „Kein Sieg der Vernunft!“ gewesen? Es darf diskutiert werden!

 

Karl Rudolf

Karl Rudolf ist langjähriger Autor für das „Whisky Time“-Magazin. 

 

www.whiskyundrumschiff.ch

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