Die Whiskywelt Asiens


Seit einigen Jahren haben Whiskys aus Asien, sei es Japan, Indien oder Taiwan, den Sprung über die eurasische Platte auch zu uns vollzogen. Das Besondere an ihnen ist nicht nur ihr Erbe aus der schottischen Tradition heraus, sondern auch ihre ganz eigene Interpretation in einem Reichtum an Qualitäten, mit denen das asiatische Whisky-Making auf ganz ungewohnte Weise präsentiert wird.

 

Seit einigen Jahren steht Asien, allen voran Japan, ganz oben im trendigen Interesse von Whisky Connaisseuren hierzulande. Doch kaum zu glauben, dass dies so lange dauerte. Denn Asien ist allein aufgrund seiner Größe, einem Drittel der gesamten Landmasse der Erde, wohl einer der konsumträchtigsten Märkte der Welt und bittet nicht erst seit heute seine Liebhaber an den Tresen zum Whiskygenuss. Aber Erkenntnisse und Trends benötigen manchmal erst einen Anstoß, bis sie auch zu uns schwappen. So auch beim asiatischen Whisky, der erst durch einen Preis angestoßen wurde: den „World Whisky of the Year“. Vergeben wurde er von dem Whiskyexperten Jim Murray und seiner „Whisky Bible“ Ende 2014 an den „Yamazaki Sherry Cask 2013“. Plötzlich war die traditionelle Whiskywelt in Aufregung, denn der „Schottenschocker“ (Spiegel) war der erste Whisky, welcher diesen Preis abräumte und dabei nicht aus Schottland kam. Selbst Menschen, die sonst nicht groß im Whisky bewandert waren, wussten plötzlich Bescheid und waren angetan ob solcher Exotik. Spätestens jetzt verschob sich das Interesse von Schottland gen Asien, so wie der erwähnte Yamazaki in kürzester Zeit ausverkauft war respektive sich zu einer teuer gehandelten Rarität entwickelte. Neben dem japanischen Whisky kam schließlich auch Whisky aus Indien zu uns sowie aus Taiwan. Allen voran überrascht bei all diesen neuen Whiskys aus Fernost die massiv große Bandbreite an Qualitäten, in denen sie auf den Markt gelangen – eben für jeden Geschmack der eurasischen Platte der richtige Whisky, möchte man meinen.

 

Japan – vom ersten Exoten zur heißen Ware

 

Vor diesem Hintergrund gilt Japan als Klassiker der asiatischen Whiskyproduktion. Denn diese beginnt bereits in den 1920er Jahren allen voran mit Blended Whisky. Beispielgebende Whiskybrennerei ist die von Shinjiro Torii im Jahr 1924 gegründete (und bis heute Japans größte) Brennerei Yamazaki von Suntory, nebst der 1919 gegründeten Chugoku Jozo der Eigashima Shuzo Co. Ltd., die allerdings noch keinen Whisky produzierte (dieser sollte hier erst seit 1990 als Toguchi produziert werden). Den Whisky von Yamazaki jedenfalls verantwortete noch Masataka Taketsuru, der sich erst in Schottland die Expertise holte und für Yamazaki umsetzte, bis er sich 1934 von der Brennerei löst, sein eigenes Unternehmen Nikka gründet und mit ihm die Brennerei Yoichi auf der Insel Hokaido. Deren Brennblasen werden übrigens bis heute noch mit Holzkohle befeuert. Gute Voraussetzungen also für den Whisky im Lande, der jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg zum nachgefragten Genussgut reifen sollte.

 

Derart galten in den 1960er und 1970er Jahren Nikka und Suntory bereits als die etablierten Whiskybrenner. Doch in Zeiten des Aufschwungs folgten auch neue Whiskybrennereien, die hier, nicht abschließend, in aller Kürze erwähnt werden sollen: Bereits im Jahr 1941 eröffnete Hanyu (2000 geschlossen); im Jahr 1955 Karuizawa (einst Teil von Kirin, 2011 geschlossen) sowie im Jahr 1973 Fuji Gotemba, die heute zur Kirin Beer K.K. gehört, einem Brauereikonzern von Mitsubishi. Hinzu kam 1969 Miyagikyo als zweite Brennerei von Nikka auf Honshu; sowie 1973 Hakushu (in der Zwischenzeit als „Hakushu West“ stillgelegt und 1981 als „Hakushu East“ neu eröffnet) als zweite Brennerei von Suntory. Zudem gesellte sich auch die 1984 von der Eigashima Shuzo Co. Ltd. neu gebaute Brennerei White Oak (für Akashi), sowie die 1985 eröffnete Brennerei Shinshu Mars von der Hombo Shuzo Co. Ltd. (welche auch Kagoshima verantwortet(e)). 2008 folgte schließlich Chichibu aus dem Familienunternehmen Akuto, welches schon Hanyu betrieb.

 

Keine Frage: Die japanische Brennlandschaft ist größer aufgestellt als man denkt. Die großen Mengen jedoch stammen wie einst von den Klassikern Suntory und Nikka. Und ob dieser neuen Größe ist spätestens heute das Bild vom einsamen Japaner, der in einer einsamen Seitenstraße im schattigen Tokio in einer kleinen, verrauchten Bar hockt und bei Jazzmusik seinen Whisky schlürft, komplett (man lese Haruki Murakami hierfür). Oder jenes von Bill Murray, der in dem Film „Lost in Translation“ (2003) als Werbefigur für den japanischen Suntory Whisky herhalten muss: „For relaxing times – make it Suntory time!“ Für solch eine Genusszeit produziert Suntory mittlerweile eine ganze Range an verschiedenen Whiskys. Neben dem Hibiki (zu Deutsch „Harmonie“, verfügbar mit 12, 17 Jahren sowie als Premium Blend Hibiki Harmony) sind dies die Single Malts der Brennereien Yamazaki (auch als 12, 18, 25 Jahre und Sherry Cask) und Hakushu (auch als 12, 18, 25 Jahre) sowie der Single Grain Whisky The Chita. Auch unter Nikka nimmt das Portfolio mittlerweile ungeahnte Ausmaße an. Darunter findet sich der Blend Nikka from the Barrel, der Prestige Blend Nikka 12, der Blended Malt Nikka Pure Malt, der Nikka Coffey Malt und Grain sowie die Single Malt Auskopplungen von Yoichi und
Miyagikyo.

 

Jedoch hat nicht nur die Range an verfügbaren Qualitäten zugenommen. Denn in den vergangenen Jahren hat sich der Umsatz von japanischem Whisky mehr als vervierfacht. Das bringt auch die Hersteller ans Limit, die daher bestimmte Qualitäten zeitweise schlicht einstellen müssen. Im Gegenzug versucht man Alternativen zu bieten: Bei Suntory etwa mit dem Premium Blend Toki (zu Deutsch „Zeit“) mit Whiskys aus allen drei Brennereien (Hakushu, Yamazaki, Chita); bei Nikka wiederum mit Nikka Days, einem leicht getorften Blend aus über 100 Qualitäten. Kleinere Brennereien wie White Oak bringen in solchen Zeiten umso speziellere Whiskys auf den Markt, zuletzt etwa zwei limitierte Qualitäten von Akashi aus dem Cognacfass mit einem Finish in Ex-Rot- und -Weißweinfässern. Wer sich für den japanischen Whisky öffnet, dem ist so große Vielfalt geboten. Um diese kennenzulernen, setzt man sich am besten in eine gut bestückte Bar und genießt ihn ganz nach dem Motto von Schriftsteller Haruki Murakami: „Whiskey, like a beautiful woman, demands appreciation. You gaze first, then it‘s time to drink.”

 

Indien – Goa kann auch Whisky

 

Neben Japan machte sich, gar nicht mal so viel später und nur einige tausend Kilometer weiter westwärts, auch Indien auf den Weg, als neue Whiskynation aufzuschließen. Denn spätestens mit der Kolonialherrschaft der Engländer kam der Whisky, Gin als auch das Bier in den späten 1820er Jahren nach Indien. So ist man heute nicht nur der größte Whiskykonsument der Welt, sondern auch selbst mit der Whiskyproduktion groß aufgestellt. Whisky wird hier allerdings, da nicht ursprünglich aus Indien stammend, offiziell als „Indian-made foreign liquor“ (IMFL) bezeichnet. Unterschieden wird er damit von den „Country Spirits“ (u .a. Arrak). Unter den Spirituosen spielt Whisky jedoch, allen voran mit dem Blended Scotch, die wichtigste Rolle, auch wenn er im Land selbst ein teures Gut ist und in lizenzierten Shops erworben werden muss. Wer jetzt allerdings an den üblichen Whisky aus Gerste, Weizen oder Mais denkt, der wird größtenteils enttäuscht, zumal es im Land kaum eine Definition zu seiner Herstellung gibt. Klar, dass sich manch Urlauber seinen schottischen Whisky lieber von Freunden im Duty-Free mitbringen lässt, ist dieser im Land selbst teils nicht verfügbar oder mit hohen Steuern belegt.

 

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