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Ein Spätzünder startet durch

Der Kolumnentitel führt in die Irre: Ein Visitor Centre sucht der Interessierte in dieser Brennerei im Städtchen Rothes vergeblich. Sie ist normalerweise überhaupt nicht zugänglich. Um so wichtiger ist es, diese Quelle eines in relativ kurzer Zeit zu hohem Ansehen gelangten Single Malt Whiskys vorzustellen. Karl Rudolf beschreibt die Glenrothes Distillery und erzählt aus ihrer Geschichte.

In Sachen Single Malt waren die Verantwortlichen der Glenrothes Distillery Spätzünder.

Wahrscheinlich gäbe es diesen fein duftenden, würzig-fruchtigen Whisky bis heute noch nicht als reinen Malzwhisky, wenn nicht vor 23 Jahren Christopher Berry Green den Anstoß dazu gegeben hätte. Der Vorsitzende des Traditionshauses Berry Bros & Rudd kannte die Qualität des Whiskys aus der Brennerei im Städtchen Rothes: Glenrothes war – und ist – der prägende Malt im Blended Scotch Whisky Cutty Sark, der Marke, die von Berry Bros & Rudd 1923 speziell für den „neuen, milden Geschmack“ der Amerikaner geschaffen worden war.

Das Familienunternehmen mit Sitz in London, groß und berühmt geworden im Weinhandel, ließ seinen Blended Whisky von Robertson & Baxter herstellen, einer Firma, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle in der schottischen Whiskyindustrie spielt. Dieses Haus pflegte schon seit langem eine enge Beziehung zu den Highland Distillers. Damit schließt sich der Kreis, in dem auch die Glenrothes Distillery zu finden ist.

Die wurde 1878 von James Stuart geplant, der damals schon seit zehn Jahren die Lizenz für Macallan besaß. Als Partner für die neue Brennerei hatte er Robert Dick und William Grant von der Caledonian Bank sowie den Rechtsanwalt John Cruickshank ins Boot geholt. Diese Partnerschaft klappte nicht, vielleicht auch, weil Stuart im selben Jahr am selben Ort eine Brennerei namens Mill of Rothes gründete, die heute Glen Spey heißt. Die drei Partner trennten sich jedenfalls von James Stuart, gründeten die Firma William Grant & Co. und bauten die geplante Glenrothes Distillery. Die nahm schließlich im Dezember des Folgejahres den Betrieb auf.